Samstag, 13. Oktober 2018

Fitness, Club und Fotoshooting

In der letzten Zeit regnet es viel, das heißt es ist auch deutlich kühler. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier mal mit Pulli rumlaufe und zu Hause hätte ich das bei den Temperaturen auch sicherlich nicht getan, aber manchmal ist es doch ziemlich frisch.
Ich liebe es! Vor allem den Regen.
Seit neuestem haben wir mit der Youth Group eine “dance fitness”. Nachdem es den Jugendlichen ziemlich wichtig ist, das wir auch mitmachen, müssen wir wohl oder über auch auf die Plane.
Der Trainer ist tatsächlich ziemlich fit, ich eher weniger. Auch die anderen stöhnen und wir kommen alle ganz schön ins schwitzen. Für die Partnerübungen finde ich mich unserem Trainer gegenüber der bestimmt mindestens zwanzig Kilo mehr wiegt als ich. Das macht sich vor allem bemerkbar, als wir für eine Übung aus dem Sitzen gemeinsam aufstehen sollen, indem wir uns nach hinten lehnen und dann langsam aus der Hocke aufrichten. Alles eine Sache der Balance… Irgendwie bewundere ich sein Vertrauen…
Zum Abschluss gibt es noch ein bisschen Akrobatik. Als ich mich jedoch auf seine Schultern stellen soll, wird es mir dann doch zu viel. So ohne Matte ist mir das dann doch ein bisschen zu gefährlich…


Den Muskelkater vom Samstag spüre ich auf jeden Fall die ganze Woche über, auch wenn die Bewegung echt gut getan hat.






Am Dienstag gehen wir mit unserer Youth Group in einen Club. Anscheinend ist der Besitzer auf sie aufmerksam geworden und hat ihnen angeboten, dienstags das Abendprogramm zu gestalten, mit der Bedingung Gäste in den Club zu bringen. Dafür würde er ihnen dann jede Woche 150’000 Ush zahlen (ziemlich viel Geld für unsere Youth Group). Ich bin auf jeden Fall mal gespannt, es wird mein erster Abend in einem ugandischen Club. 
Nachdem es vermutlich ziemlich spät wird und meine Gastfamilie von innen zu sperrt, übernachten Lucy und ich für diese Nacht bei Tomer.
Wir machen aus uns alle um sieben zutreffen um rechtzeitig im Club anzukommen. Es ist ein bisschen chaotisch, bis wir schließlich loskommen und es braucht einiges an zäher Verhandlung, bis sich die Boda-Fahrer auf unseren Preis einlassen. 
Lucy bleibt in der Zwischenzeit bei Ori.

Als wir im Club ankommen, ist noch nichts los, ich hoffe, das gibt sich noch. 
Gegen 22 Uhr beginnt schließlich die Show. Es startet mit einigen Karaoke ähnliche Auftritten, das heißt die Jugendlichen gehen mit dem Mikro auf die Bühne und tuen dann so, als würden sie singen. Es ist nicht schlecht, aber ich frage mich, wann sie anfangen zu tanzen, denn das können sie einfach richtig gut.
Gegen 23 Uhr treten dann die ersten einzeln als Tänzer auf. Einige habe ich noch nie tanzen sehen und andere immer nur in der Gruppe. Jeder einzelne hat seinen eigenen Stil und es macht wirklich Spaß zu zusehen. Beinahe das beste ist aber als, sie in Konstellationen als Gruppe aufzutreten. Alleine dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt die ganze Nacht in dem Club zu verbringen und sogar irgendwie den Moderator zu ertragen. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend, geht mir der Gedanke durch den Kopf, dass sich der Club-Besitzer keine Sorgen um seinen Gäste machen würde, wenn er diesen Kerl einfach rausschmeißen würde… 



Am Mittwoch veranstalten wir ein Foto-Shooting mit den Frauen und ihrem Schmuck. Die Frauen haben sich extra hübsch gemacht und auch Shalom, eine der Schülerinnen in Little Light macht mit. In Shalom scheinen wir ein Talent gefunden zu haben und Jaja Mary schneidet definitiv die besten Grimassen. Wir haben eine Menge Spaß und die Fotos werden echt toll.





Dienstag, 9. Oktober 2018

Independence Day

Am Dienstag ist “Independence Day”, das heißt ein Feiertag. Die Youth Group hat beschlossen zur Feier des Tages einen Kochwettbewerb zu veranstalten. 
Wir haben ausgemacht von der ganzen Gruppe Geld einzusammeln, von dem wir dann die Zutaten einkaufen können. Anschließend werden die Zutaten aufgeteilt und die Jungs treten gegen die Mädchen an.
Wir haben ausgemacht, uns morgens mit ein paar Jungs der Youth Group zutreffen um auf den Markt zugehen und die Zutaten zu kaufen. Nachdem wir mit zwei der drei Jungs eine ganze Weile auf den dritten gewartet haben, beschließen wir einfach loszugehen und nehmen stattdessen kurzfristig jemand anderen mit, der uns als Ersatz begleitet. Wir kaufen 5 kg Reis (ich hatte noch nie so viel Reis auf einmal), Tomaten, Kohl, Zwiebeln, Kartoffeln und Fleisch. Außerdem brauchen wir noch Öl, Salz und eine Gewürzmischung für das Fleisch. Der Rucksack in den wir alles packen, sieht aus, als würde demnächst der Boden ausreißen…
Als wir anfangen wollen, sind zwar relativ viele Jungs da, aber nur zwei Mädchen. Tomer und ich beschließen mit zumachen, allerdings kann Tomer nicht kochen und ich habe noch nie über Feuer gekocht, geschweige denn ugandisch. Peace und Brenda, die beiden Mädchen, versprechen uns anzuleiten und wir legen los. 

Es ist ziemlich lustig, wie wir alle zusammen sitzen und schneiden, schälen und uns darüber streiten, wer besser ist. Tomer prügelt sich mit einem der Jungs beinahe um ein Messer und Peace kämpft mit einem anderen um unsere Zutaten. 

Schließlich lichtet sich die Gruppe ein bisschen und nur ein paar der Jungs bleiben bei den Töpfen, was zur Folge hat, dass eine der Katzen das Fleisch der Jungs in die Fänge bekommt und sich damit aus dem Staub macht. Zwar erkämpfen die Jungs sich einen Großteil zurück, verwenden können sie es allerdings nicht mehr… Desert (einer der Jungs) versucht daraufhin Tomer davon zu überzeugen, das restliche Fleisch erneut aufzuteilen, was sie allerdings entschieden ablehnt.
Brenda und Peace beschließen die Kartoffeln zu frittieren und ich bekomme die Schachtel mit den fertigen Kartoffeln um sie gegen den Rest zu verteidigen.



Schließlich verteilen wir das Essen auf die verschiedenen Teller. Tomer und ich flüchten ins Büro, um ein bisschen Ruhe zu haben. Das Essen ist wirklich lecker. Es gibt Reis mit gedünstetem Kohl, einmal mit Tomaten, einmal ohne, Kartoffeln, einmal frittiert und einmal mit Soße und ein bisschen Fleisch mit Soße ;)







Donnerstag, 4. Oktober 2018

Eine relativ normale Woche

Den Rest der Woche verbringen wir damit, Fotos und Report cards für die E-Mails an die Sponsoren zusammen zu sammeln und die Schulen, an die Little Light Schüler schickt zu besuchen, um die Anwesenheit zu überprüfen.
Außerdem sind wir relativ gut damit beschäftigt die neuen Aktivitäten der Youth Group zu organisieren. Unter anderem sind das dance fitness, yoga und aerobics und eine Filmnacht. Daneben gibt es einige Probleme innerhalb der Gruppe, die ebenfalls gelöst werden müssen.


Am Mittwoch nehmen wir zusammen mit den Frauen an deren Art lesson Teil, die Nasuro leitet. Dieses Mal ist es eine Holzarbeit. Es ist mal eine schöne Abwechslung zu der sonstigen Arbeit und irgendwie entspannend.



Am Donnerstag habe ich dann meine erste Luganda lesson. Wir fangen mit dem Alphabet an, um mit den Lauten vertraut zu werden. Es ist einfacher als gedacht, weil viele Laute dem deutschen ähnlich sind. Auf jeden Fall werde ich mir Mühe geben es zu lernen. Angeblich ist es nicht so schwer und ich habe ein ganzes Jahr Zeit, da werde ich doch wenigsten ein bisschen was lernen können, oder? Es wäre schon cool, wenn ich es wenigsten ein bisschen verstehen könnte. Allerdings bekomme ich so langsam den Verdacht, dass es in den Regeln ziemlich viele Ausnahmen gibt…



Am Wochenende haben wir dann sämtliche Aktivitäten mit der Youth Group. 
Den Samstag Vormittag verbringen wir in Down Town um neue Outfits für die Dance Group zu kaufen. Die Suche gestaltet sich relativ einfach und wir haben bald etwas gefunden.
Zurück in Little Light warten wir auf den Beginn der Dance Fitness, die allerdings eine ganze Weile später als abgemacht beginnt, weil es mittags noch viel zu heiß ist (wer hätte das gedacht?). Immerhin sind die, die da sind, dann voll dabei. 
Zur fun activity am Sonntag kommt dann allerdings tatsächlich überhaupt niemand, woraufhin wir beschließen, die fun activity erst einmal zu beenden.

Sonntag, 30. September 2018

Wochenende

Am Samstag haben wir morgens eine Versammlung mit den Eltern der Little Light Kinder, da es in letzter Zeit einige Probleme mit Sponsoren und einer Schule gab woraus einige Missverständnisse entstanden sind, die heute geklärt werden sollen.

Im Laufe der Versammlung kommen immer mehr Eltern, so dass gegen Ende die meisten Eltern da sind. Es dauert drei Stunden, bis Geoffrey alles erklärt hat und glücklicherweise ist die Sympathie der Eltern schließlich auf seiner Seite.


Am Sonntag lädt mich Nasuro, ein Künstler der manchmal mit Little Light zusammen arbeitet, zu “Blankets & Wine”, einer Art Festival ein. Er und ein paar seiner Schüler stellen dort Kunst aus.

Wir bleiben den ganzen Nachmittag und er versucht mir ein bisschen das Zeichnen beizubringen.



Gegen Abend kommen immer mehr Leute und es verwandelt sich von einer Art Markt / Ausstellung mehr zu einer Party. Auf einer großen Bühne spielen verschiedene Bands und viele Leute tanzen. Als wir schließlich gegen 21 Uhr gehen, kommen die meisten Leute gerade erst an. Am Eingang kommen wir fast nicht raus, weil die Security damit beschäftigt ist einige Leute, die auch schon ein bisschen betrunken sind, vom Eingang fernzuhalten.



Donnerstag, 27. September 2018

Das Tailor-Projekt …

Heute gehe ich Tailorn. Erinnert ihr euch noch an das Projekt mit der Youth Group? Leider ist die Frau im Slum auch nicht die Lösung.
Sie würde es mir zwar beibringen, aber dazu bräuchten wir eine Nähmaschine in Little Light und außerdem würde sie es mir von Anfang an beibringen, inklusive mit der Hand nähen. Das wäre zwar toll, würde aber ganz sicher eine Weile dauern. Also haben wir beschlossen, dass ich es einfach mal versuche. Wenn ich es schaffe, eine anständige Tasche zu produzieren, bringe ich den Jugendlichen bei, wie ich es gemacht habe.
Geoffrey bringt mich zu der Schule, wo heute immerhin zwei Nähmaschinen stehen. (Eigentlich hätten ja vier funktionieren sollen, aber eine reicht mir ja zum Glück.) Geoffrey bespricht noch etwas mit dem Mann an der anderen Maschine, dann macht er sich aus dem Staub und lässt mich mit dem Mann alleine. Ich hatte ja gehofft, ich könnte das irgendwie unbeobachtet ausprobieren und mich im Zweifel vor mir selbst blamieren, aber wie es aussieht, habe ich jetzt eine gelernten Schneider als Zuschauer, oder zumindest jemanden, der professionell nähen kann…
Ich bekomme von ihm eine Schere und ein Massband und Kreide zum anzeichnen. Die erste Herausforderung ist das Zuschneiden. Ich habe keine Ahnung, wie sie das normalerweise machen, aber ich will den Stoff nicht einfach auf dem staubigen Boden ausbreiten. Also versuche ich es auf der Nähmaschine.
Ich habe keine Ahnung, welche Maße, für das Modell genommen wurden, also beschließe ich einfach die Ausschnitte abzumessen. Während ich anzeichne, werde ich von dem Mann neben mir kritisch beäugt. Schließlich bitte ich ihn, mir einfach zusagen, wenn ich etwas falsch mache. Ich komme mir auch ein bisschen komisch vor, er hat das alles gelernt, ich habe von nichts eine Ahnung und bilde mir ein einfach so eine Tasche nähen zu können.
Er rät mir die Zoll-Seite des Maßbandes zu benutzen und sieht mir dann zu, wie ich weiter anzeichne. Schließlich habe ich es geschafft.
Die nächste Frage ist, wie ich die Nähmaschine zum laufen bringe. Es dauert eine Weile bis ich den Bogen raushabe und nicht dauernd vor und die Nadel nicht mehr dauernd nur von und zurück läuft und sich heillos ihm Faden verheddert. 
Dann läuft es allerdings ganz gut. Etwas später kommt noch ein weiterer Mann dazu, es ist derjenige, der die erste Tasche genäht hat. Er unterhält sich mit dem anderen Mann und ich habe den schweren Verdacht, dass sie über mich reden. Der Verdacht bestätigt sich, als er mich anspricht. Er macht sich nicht direkt lustig, aber ernst nimmt er mich auf jeden Fall nicht. Langsam regt mich seine Art ein bisschen auf, vor allem weil ein Fehler definitiv auf die Kappe des anderen Schneiders geht und es für das erste Mal eigentlich ganz gut läuft (immerhin läuft die Maschine). Außerdem könnte er es mir ja einfach direkt sagen, wenn ich irgendetwas besser anders machen sollte. Ich versuche die beiden zu ignorieren und ebenso die Kinderschar, die sich mittlerweile um die Nähmaschine versammelt hat.
Schließlich habe ich es fast geschafft. Vor lauter Konzentration nichts zu verdrehen, oder an die falsche Stelle anzunähen, nähe ich den ersten Henkel dann auch prompt auf die falsche Seite. Wenigsten können wir dieses Mal zusammen lachen.
Als ich es dann endlich geschafft habe, mache ich mich mit beiden Taschen, der professionellen und meiner, auf den Rückweg. Ich bin ziemlich gespannt auf das Urteil und aus unerfindlichen Gründen auch ganz schön nervös.
Aus meiner Sicht ist die Tasche im allgemeinen durchaus ok, zumindest sieht sie aus wie die andere. Allerdings sind die Nähte alles andere als professionell und das sieht man auch.
Ich gebe Geoffrey beide Taschen, er kann jedoch keine Unterschied feststellen und tippt schließlich auf die Vorlagen-Tasche als die meine. Auch Brenda und Peace zwei Mädchen aus der Youth Group, befinden die Tasche für in Ordnung und tippen ebenfalls auf die andere Tasche als meine. 
Damit habe ich den Job, auch wenn ich selber noch nicht so ganz überzeugt bin und mir nicht ganz sicher bin, ob ich in der Lage bin das anderen beizubringen.

Montag, 24. September 2018

Schulanfang

Diese Woche fängt die Schule wieder an, das heißt die Kinder sind zurück in Little Light und ich kann meinen Unterrichtsbesuch nachholen und damit meine Orientierungswoche abschließen.

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Das Schulsystem hier ist ganz anders als in Deutschland. Soweit ich das verstanden habe, beginnt es mit Nursery School, die aus drei Stufen besteht. Baby Class, Middle Class und Top Class. Es ist vielleicht ein bisschen wie Vorschule, aber es geht den ganzen Tag. Danach kommt Primary School, von Primary 1 bis Primary 7, die mit einer Abschlussprüfung abgeschlossen wird. Danach können die Kinder/Jugendlichen dann auf eine Secondary School gehen, die sie für die Uni vorbereitet.
Die Kinder hier gehen normalerweise schon früh morgens los, je nach dem wie weit die Schule entfernt ist, auch schon um 4 Uhr und bleiben bis 4 oder 5 Uhr.
Die einzige Pause am Vormittag ist das Frühstück und die nächste ist dann das Mittagessen. Ansonsten ist den ganzen Tag durchgehend Unterricht.
Schuluniform ist dabei Pflicht und auf die Einhaltung der Regeln wird strikt geachtet. Schläge als Strafe sind nicht unbedingt selten, allerdings wenigsten in Little Light verboten
.
Am Dienstag fehlt eine der Lehrerinnen und einer der anderen Lehrer bittet mich in dieser Klasse einige Übungen an die Tafel zu zeichnen. Also bekomme ich ein Arbeitsblatt und betrete die Klasse. Insgesamt sind es sechs Aufgaben und da die Tafel nicht groß genug ist, warte ich jeweils, bis alle Kinder alles abgezeichnet haben, bevor ich die Aufgabe wegwische und die nächste abmalen kann.
Es ist nicht ganz einfach, die Klasse währenddessen dazu zu bringen, leise zu sein.
Jedenfalls habe ich nach dieser Stunde eine Menge Respekt vor allen Lehrern, die hier einen ganzen Tag lang unterrichten.
Daneben befasse ich mich weiterhin mit den E-Mails für die Sponsoren, da uns langsam die Zeit davon läuft. Allerdings ist das nicht ganz einfach, denn die Kinder können ganz schön viel Krach machen, besonders in den Pausen.
Die Youth Group, oder zumindest einige der Mitglieder, haben inzwischen Regeln für eine Constitution ausgearbeitet, die nun mit dem Cabinet der Youth Group diskutiert werden muss. Nachdem es noch eine Menge andere Dinge zu besprechen gibt, eines der Mitglieder zu spät kommt und es ohnehin schon ziemlich spät ist, vertagen wir die Diskussion auf den nächsten Tag. Es ist 21 Uhr als ich zu Hause ankomme und Lucy ist alles andere als begeistert.

Als wir uns am nächsten Tag erneut zusammen setzen, ist tatsächlich das ganze Cabinet anwesend. Es ist ein hartes Stück Arbeit, jede einzelne Regel durchzugehen und auszudiskutieren, insbesondere da eines der Mitglieder den Präsidenten nicht wirklich akzeptiert und selbst unglücklicherweise eine Führungspersönlichkeit ist. Es dauert fünf Stunden, bis alles geklärt ist und als ich Little Light schließlich verlasse ist es 22 Uhr.

Montag, 17. September 2018

Orientierungswoche und eine Menge Arbeit

Ich weiß überhaupt nicht wo ich anfangen soll. Es ist so viel passiert und irgendwie ist gerade alles ein bisschen chaotisch.
Nachdem Anna weg ist und auch das Seminar vorbei ist, startet jetzt offiziell meine Arbeit bei Little Light.
Die erste Woche ist als Orientierungswoche gedacht, in der ich erst einmal alle Projekte in Little Light kennen lernen soll.
Das heißt ein Besuch aller Schulen mit denen Little Light zusammen arbeitet, eine Unterrichtsstunde in einer Klasse in Little Light miterleben, eine Stunde den Frauen beim Schmuck machen zusehen, eine Slum-Tour mit Hausbesuch, an einem Youth Group Meeting teilnehmen und ein Google Drive Training von Anna (die ja nicht mehr da ist…).
Daneben gibt es noch eine ganze Menge anderes zu tun. Manchmal nur Kleinigkeiten, für die ich aber eine bestimmte Person brauche.
Vor allem aber die Youth Group nimmt ziemlich viel Zeit und Energie in Anspruch, besonders da ich mich erst einarbeiten muss und trotzdem eigentlich schon den Überblick haben muss. Außerdem hat die Gruppe gerade eine ziemlich neue Führung, die sich erst etablieren muss und auch in der Gruppe gibt es diverse Probleme. Unter anderem da sich die Gruppe aus vielen unterschiedlichen Charakteren zusammen setzt, die alle irgendwie unter einen Hut gebracht werden müssen. Dazu kommen noch die Projekte der Youth Group, wie Dance Show, Meetings, Fun activities und Lessons, wobei Pünktlichkeit oder überhaupt Anwesenheit häufig eine Herausforderung darstellt.
Letzten Samstag hatte die Dance Group beispielsweise wieder eine Show und es war ein bisschen eine Herausforderung den Transport und Termin überhaupt zu organisieren, da ich den Ort bisher nicht kannte und auch nicht wusste, wie wir dort hinkommen.
Wir hatten ausgemacht, uns um 9:30 Uhr zu treffen, um 10:30 Uhr waren dann, bis auf zwei auch alle da. Eigentlich sollten wir um 12 Uhr da sein, tatsächlich los kamen wir um 11:15 Uhr. Glücklicherweise waren wir relativ schnell mit dem Taxi in Down Town, von wo aus wir mit dem Bus weiter fahren wollten. Leider war der Bus relativ leer, als wir einstiegen und es dauerte bis 12:45 Uhr, bis wir schließlich losfuhren (der Bus fährt erst, wenn er voll ist).
Letztendlich erreichten wir den Platz für die Show um kurz vor 14 Uhr, um 14 Uhr sollte die Show vorbei sein. Allerdings war der Veranstalter auch etwas spät dran, sodass es keine Probleme gab. Wegen eines Missverständnisses, dauerte es dann noch bis 16 Uhr, bis die Dance Group tatsächlich auftrat.

Die Slum-Tour ist interessant, auch wenn ich mir ziemlich blöd vorkomme, hier wie ein Tourist durch zulaufen. Die Menschen lebe hier und es ist alles andere als leicht.
Es ist ein bisschen wie eine andere Welt, einer der Jugendlichen erzählt mir, dass es gerne wie ein eigenes Land innerhalb Uganda gesehen wird.
Die Menschen hier kennen einander und bilden eine feste Gemeinschaft, als Fremde würde ich hier auch auffallen, wenn ich nicht weiß wäre.
Es gibt viele Kinder hier, sie spielen vor den Häusern und auf den wenigen freien Plätzen. Die Frauen sind meisten mit Waschen oder Kochen beschäftigt, viele der Männer sitzen in Gruppen zusammen und unterhalten sich.
Die Häuser sind häufig dicht beieinander und durch eine Art Kanal getrennt. In dem theoretisch das Abwasser und Regenwasser laufen soll, aber nach heftigem Regen passiert es nicht selten, dass die Häuser komplett geflutet werden.
Viele der Slum-Bewohner haben keinen Arbeit und manchmal bedeutet das, dass die Familie für mehrere Tage kein Essen hat. Auch Trinkwasser ist ein Problem, da nur sehr wenige das Wasser abkochen, denn auch die Kohlen für das Feuer müssen gekauft werden und werden dann meistens lieber zum Essen kochen verwendet.
Es gibt eine Menge Kinder hier, sie spielen vor den Häusern und auf den wenigen größeren Plätzen. Die meisten sind noch ziemlich klein.
Ein anderes Projekt mit der Youth Group ist das Nähen. Ich glaube, ich habe schon davon erzählt. Eine Schule stellt Nähmaschinen zur Verfügung, an denen unsere Jugendlichen nähen könnten. Die Idee ist, dass sie relativ einfach Jute-Beutel nähen, die ihnen Little Light dann abkauft und genauso, wie bei den Frauen weiter verkauft.
Das einzige Problem ist, das Little Light nicht das Geld hat einen Lehrer richtig zu bezahlen, weshalb wir jemanden auf Freiwilligen-Basis brauchen. Die Lösung ist jetzt hoffentlich, dass wir eine Frau im Slum gefunden haben, die dort andere Frauen unterrichtet und es auch mir zeigen würde. Sobald ich es verstanden habe, zeigen ich dann den Jugendlichen, wie sie die Tasche nähen. Ich freue mich schon darauf zu lernen, wie man mit einer nicht-elektrischen Nähmaschine näht und ich hoffe, ich stelle mich nicht allzu blöd an…
Außerdem gibt es gerade eine Menge E-Mails an sämtliche Sponsoren der Little Light Kinder zusenden, mit Fotos und den Berichten über das letzte Trimester, insgesamt sind es etwas 250 Stück, wobei häufig Fotos oder Berichte fehlen, was die Sache zusätzlich verkompliziert.

Dann gibt es auch noch die Women Group, um die ich mich auch dringend intensiver kümmern muss. Ich weiß nicht, ob ich schon von den Frauen erzählt habe.
Es sind meistens Mütter der 
Kinder in Little Light und sie kommen von Montag bis Donnerstag jeden Nachmittag und machen Schmuck aus Papier. Little Light kauft den Schmuck dann von den Frauen und verkauft ihn weiter, sodass sowohl die Frauen, als auch die Organisation davon profitieren.

Unsere Aufgabe als Freiwillige ist es, die Designs für den Schmuck aus zu suchen und den Verkauf zu organisieren. Manchmal ist es ein bisschen schwierig, dass die Frauen auch tatsächlich unsere Designs umsetzen, weil ihr Geschmack sich manchmal von unserem unterscheidet. Auf jeden Fall solltet ihr euch den Shop unbedingt mal ansehen (nein, das ist keine Schleich-Werbung). Es gibt übrigens auch eine Facebook-Seite….