Samstag, 1. September 2018

Downtown...

Heute ist Samstag, das heißt eigentlich frei, aber die Youth Group hat eine Show in der Mukwana Mall. Irgendwie bin ich fast ein bisschen froh darüber, dann habe ich etwas zu tun :) 

Wir verabreden, uns um 12 Uhr in Little Light zu treffen, das heißt ich kann eigentlich ausschlafen. Allerdings ist die Familie schon um 7 Uhr wach und ich möchte nicht unhöflich sein, ich weiß ja nicht, ob sie nicht vielleicht gemeinsam frühstücken oder so.
Also stehe ich auf und mache mich fertig. Als ich Emily frage, sagt sie mir, dass das kein Problem ist und jeder einfach isst, wann er da ist.
Beim Spazieren gehen stelle ich allerdings fest, dass Ausschlafen keine gute Idee ist, es ist einfach schon wieder ziemlich warm.

Die Zeit vergeht dann auch schon wieder ziemlich schnell und ich mache mich auf den Weg zu Little Light.
Die Youth Group hat einen Sponsor, der ab und zu anruft und den Jugendliche anbietet bei einer kleinen Show zu tanzen. Sie tragen dabei T-Shirts der Firma und bekommen für den Auftritt 100’000 Ush. Little Light schickt immer fünf Jugendliche, zwei Culture Dance und drei Free Dance, um möglichst vielen Jugendlichen ein kleines Einkommen zu ermöglichen.
Ein paar der Jugendlichen sind schon da, wir warten noch eine Weile auf die anderen, allerdings stellt sich heraus, dass eine der Tänzerinnen vermutlich nicht kommt und erreichbar ist sie leider auch nicht. Also verpflichten wir einen der anderen Jugendlichen spontan zum Ersatztänzer.
Da wir nun sozusagen vollständig sind, fragt Anna die Jugendlichen, wie lange wir zur Mail brauchen, inzwischen ist es 12:20 Uhr, um 13:00 Uhr soll die Show stattfindet.
Mit der Antwort „ungefähr eine Stunde“ beschließen wir daher, dass es Zeit ist zum Aufbrechen. Es dauert eine Weile, bis wir ein Taxi finden, dass leer genug ist, damit wir alle reinpassen. Auf dem Weg zur Mall sammeln wir noch einen der Tänzer auf. Als wir Downtown ankommen, bin ich erst einmal geplättet. Ein Laden reiht sich an den anderen und überall sind Menschen. Auf den Gehsteigen ist das Gedränge so dicht, dass wir auf dem Weg zur Mall am Straßenrand entlang laufen, um voran zukommen. Auf der Straße schieben sich langsam Taxis voran durch das Gedränge und daneben schlängeln sich Boda Boas entlang. Anna rät mir meinen Rucksack vor dem Bauch zu tragen und ich bin sehr froh über die Jugendlichen, von denen einer (Sharif) die Führung übernommen hat, andernfalls würde ich hier keinen Schritt voran kommen. Es dauert eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt habe, durch welche Lücken man sich durchschlängeln kann und welcher Boda Fahrer anhält, bzw. langsam genug ist und wie nahe ich den Taxis kommen kann.
Schließlich haben wir die Mall erreicht und ich bin ehrlich erleichtert, dem Gedränge zu entkommen. Wir klettern hinauf in den dritten Stock, zu dem Veranstalter, nur um dort festzustellen, dass wir in der falschen Mall sind. Also zurück auf die Straße und weiter durch das Gedränge. Nach einigem Suchen, können wir die Mall endlich sehen, wir müssen nur noch eine Straße überqueren, von der ich mich frage, wie wir da jemals rüberkommen sollen, es gibt nicht auch nur die kleinste Lücke. Sharif ruft einem der hinteren Jugendlichen etwas zu, woraufhin der einfach auf die Straße springt, sodass wir die Straße überqueren können.
Dann haben wir es endlich geschafft. Wir sind nur etwa eine halbe Stunde zu spät und dieses Mal sind wir richtig. Allerdings ist der Manager noch nicht da und es dauert noch einmal ca. 45 Minuten, bis er schließlich kommt. Einer der Jugendlichen ist so nett und organisiert für Anna und mich zwei Stühle, während die anderen sich ans Geländer stellen und dem Treiben unter uns zusehen.



Ein paar Minuten später, taucht dann auch die fehlende Tänzerin auf, damit ist unser Ersatztänzer entlassen und er verlegt sich auf das Filmen der Show. Ich habe die fünf noch nie tanzen sehen, aber sie sind wirklich gut! Nach einer Weile hat sich eine kleine Menschenmenge gebildet und auch ein paar Boda Boda Fahrer halten an und schauen zu, auch wenn das den Verkehr noch ein bisschen mehr erschwert.


Als wir uns nach der Show zurück kämpfen, ist es nicht mehr ganz so schlimm. Die Jugendlichen wollen noch ein bisschen bleiben und shoppen gehen, aber Anna und ich haben genug. Netterweise bringen sie uns noch bis zum Taxi und ersparen uns damit die Suche.

Wieder zu Hause, geht es inzwischen auf 17 Uhr zu und ich bin ziemlich platt.

Freitag, 31. August 2018

Ein relativ unspektakulärer Tag


Sorry für die lange Wartezeit. Nachdem schon Beschwerden kamen :) kommen heute die fehlenden Einträge. Die Tage vergehen hier im Moment wahnsinnig schnell. Den ganzen Tag ist irgendetwas und wenn ich dann Abends heim komme, bin ich total platt. Ich hoffe ich gewöhne mich bald an die Hitze. (03.09.18)

Heute ist mein zweiter Tag in Little Light. Anna sagt, ich kann auch ein bisschen später kommen und ich beschließe, vor der Arbeit noch einen längeren Spaziergang mit Lucy zumachen, damit sie mir vielleicht verzeiht, wenn ich sie wieder einsperre.
Ich habe übrigens ein wirklich schönes Zimmer. Ich habe sogar einen eigenen Schrank und ein eigenes Bad (!), inzwischen funktioniert auch das Wasser :) Das Bett ist riesig, daran muss ich mich erst gewöhnen.

Nachdem ich geduscht habe, gehe ich frühstücken und treffe Timothy. Er fragt, ob er mich begleiten soll und nachdem er auch fertig gefrühstückt hat, gehen wir zusammen los und er zeigt mir den Weg auf einen der sieben Hügel Kampalas. Von da oben haben wir eine Wahnsinns-Aussicht :) 




Ich kann fast ganz Kampala sehen und es ist wirklich riesig. Auch den Slum sieht man von hier oben. Es ist eine Ebene aus Blechdächern, dahinter erstreckt sich, als grüner Streifen ein Sumpf.
Als wir wieder zu Hause sind, packe ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg zu Little Light. Es ist immer noch gewöhnungsbedürftig, so aufzufallen, aber ich hoffe, irgendwann werden sich die Leute auf meinem Weg ein bisschen an mich gewöhnen.
Bei Little Light angekommen, nimmt mich Anna mit, um mir zu zeigen, wo ich etwas ausdrucken kann. Es ist ein kleiner Laden mit einem Computer und mehrere Druckern. Man kann dort mit seinem USB-Stick hingehen und etwas ausdrucken. Eine schwarz-weiß Kopie kostet 100 Ush (ca. 3ct).
Nach dem Mittagessen kommt Grace, eines der Kinder ins Büro, schnappt sich mein Handy und hat einen riesigen Spaß dabei, sich selbst und alles möglich zu fotografieren. Anna und ich haben viel Spaß dabei, als wir ihr zuschauen, wie sie sich in Pose wirft, Kussmünder (sie ist 4 Jahre alt!) macht und dann alle Sachen im Büro fotografiert.




Da heute Freitag ist bin ich schon relativ früh wieder zu Hause. Lucy freut sich sehr mich zu sehen, allerdings bin ich ziemlich platt. Ich versuche ein bisschen zu schlafen, dann gehen wir ein kurzes Stück spazieren. Ich versuche früh ins Bett zu kommen, aber nachdem wir immer erst um 22 Uhr essen, ist das nicht ganz einfach. Auch wenn Emily mich schon immer früher essen lässt, damit es nicht zu spät wird :) Schließlich rolle ich mich dann doch mit Lucy ins Bett.

Donnerstag, 30. August 2018

Mein erster Tag in meine Gastfamilie


Heute gibt es leider ziemlich viel Text, ich hoffe, es ist noch lesbar. In den letzten zwei Tagen war leider so viel los, dass ich es nicht einmal geschafft habe, den Blog weiter zuschreiben. (31.08.18)

Heute geht es tatsächlich nach Namuwungo. Comfort weckt mich um sieben, weil es doch schon um acht losgehen soll. Ich packe noch schnell die letzten Sachen zusammen und lasse das Frühstück ausfallen. 

Lucy ist von der ganzen Aktion überhaupt nicht begeistert und als sie wieder in die Box soll, ist endgültig Schluss mit lustig.
Ich glaube vor allem Comfort fällt der Abschied von Lucy schwer und wir verabreden, auf jeden Fall in Kontakt zu bleiben.
Trina und ihr Mann fahren mich mit dem Auto und Lucy hört überhaupt nicht mehr auf zu Fiepen, abgehen von einem gelegentlichen, frustrierten Gähnen. Schließlich schlägt Trina vor, dass ich sie aus der Box hole, danach ist es besser. Sie schaut ein bisschen aus dem Fenster und rollt sich dann auf meinem Schoß zusammen.



Auf den Straßen ist ziemlich viel Verkehr und es gibt unendlich viel zusehen. Überall sind Leute, auf dem Weg zur Arbeit, bei der Arbeit, oder einfach nur sitzend. Auf der Straße tummeln sich Boda Bodas, Fahrräder, Taxis, Leute und Autos.
Direkt vor uns ist ein Pick-up, der bestimmt zwei Meter hoch mit Säcken beladen ist. Die Säcke sind nicht befestigt, sondern einfach nur aufgeschichtet und obendrauf sitzt ein Mann (fragt mich nicht, wie das hält). Sie werden dann auch von einem Verkehrspolizisten am Straßenrand raus gewunken, aber sie weigern sich anzuhalten und fahren einfach weiter.
Auf der anderen Straßenseite balanciert ein Mann einen Turm aus ca. 50 Eiern oder mehr. Es sieht ein bisschen aus, wie der schiefe Turm von Pisa und als würden die Eier jeden Moment herunterfallen.
Etwas später verdichtet sich der Verkehr und es geht sehr zäh voran. Zwischen den Autos laufen Leute und verkaufen Zeitungen, Klopapier, Bohnen und Kaugummis. Es sieht ziemlich gefährlich aus, da die Autos alle ziemlich groß sind und dazwischen kaum Platz ist.
Schließlich erreichen wir Namuwungo (so heißt übrigens die Gegend, nicht nur der Slum) und ich erhasche einen ersten Blick auf die Häuser im Slum. Der Anblick trifft mich. Viele Häuser sind aus Schlamm gebaut und so klein, dass wir nicht einmal ein Badezimmer hinein bekommen würden. Eines ist so schief, dass es aussieht, als würde es jeden Moment zusammen fallen. Es ist eine Sache Bilder gesehen zu haben, aber die Realität ist ganz anders. Ich bin schon sehr gespannt auf meinen ersten Besuch im Slum und die Bewohner. (Die Leute hier sprechen übrigens von „community“.)
Schließlich erreichen wir meine Gastfamilie. Im Moment sind nur meine Gastmutter, Emily und die beiden Zwillinge Honey und Gabi zu Hause. Emily begrüßt mich sehr herzlich und nachdem Trina sich verabschiedet hat, bekomme ich erst einmal Frühstück.
Ich habe den verdacht, dass meine Familie ziemlich reich. ist, denn das Haus ist ziemlich schick und auf dem Tisch stehen zwei große Kannen mit heißer Milch und heißem Wasser. Außerdem gibt es Omelett und Brot mit Marmelade.
Ich unterhalte mich ein bisschen mit Emily und sie fragt mich nach meiner Arbeit. Während ich noch beim Frühstück sitze, kommen die Söhne vorbei und begrüßen mich ebenfalls. Das alles geht so schnell, dass ich mit den Namen nicht mitkomme und keine Ahnung habe, welcher Name zu wem gehört und wer wie aussieht. Ich hoffe, dass klärt sich noch (unauffällig) …

Nach dem Frühstück ruft Anna (die jetzige Freiwillige bei Little Light) und fragt mich, ob sie mich abholen und mir Little Light zeigen soll. Ich frage Emily, ob das in Ordnung ist und ziehe mit Anna los, nachdem ich Lucy in mein Zimmer gesperrt habe. Als erstes kaufen wir Wasser und sie zeigt mir auf dem Weg die wichtigsten Läden.
Bei Little Light stellt sie mich allen vor und ich fühle mich gleich ziemlich wohl.
Während Anna arbeitet unterhalte ich mich mit Stella einer der Lehrerinnen hier. Sie ist noch ziemlich jung und auch erst seit einem Jahr hier. Sie möchte unbedingt Lucy kennenlernen. Also laufen wir zurück nach Hause (es ist nicht weit von Little Light) und ich stelle ihr Lucy vor, die sich sehr freut uns zu sehen. Danach ist es allerdings umso härter, sie wieder in das Zimmer einzusperren.
Am Nachmittag nehme ich an einer „lesson“ (Unterrichtstunde) der Jugendgruppe teil, das Thema ist heute „sex and human desire“ und eine der Jugendlichen hält einen Vortrag. Es ist ziemlich lustig und Anna verzweifelt beinahe bei dem Thema Kondome, die angeblich krank machen.
Für den Abend habe ich mich mit Anna zum Schuhe kaufen in Kawalagala (einer Straße, wo sie ziemlich viele Schuhe verkaufen) verabredet. Sie ruft einen Freund an, der uns begleiten wird und auch Einav, eine der israelischen Freiwilligen kommt mit.
Ich habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen Emily um Erlaubnis zu fragen, weil ich noch kaum zu Hause war und schon am ersten Tag danach frage, abends weg zugehen, aber sie erlaubt es mir ohne weitere. Sie gibt mir nur einige Tipps, damit mir nichts passiert.
Bevor wir aufbrechen, beschließe ich duschen zu gehen, allerdings kommt aus der Dusche kaum, bis überhaupt kein Wasser. Emily verspricht mir, dass sich das einer ihrer Söhne ansehen wird, wenn ich wieder da bin. 
Kurz bevor wir aufbrechen wollen, kommt Richard, mein Gastvater nach Hause. Er ist ebenfalls sehr nett und begrüßt mich sehr herzlich.
Dann kommt auch schon Anna mit ihrem Freund und nachdem wir noch Einav aufgesammelt haben, halten wir zwei Boda Bodas an. Anna und ihr Freund und ich und Einav fahren jeweils zusammen. Ich komme nicht wirklich dazu mich vor dem Fahrstil zu fürchten, weil Einav sich fast die ganze Zeit über mit mir unterhält.

In Kawalagala gehen wir die Straßen entlang und probieren einige Schuhe. Ich finde ein paar Flipflops, aber mit geschlossenen Schuhen sieht es schlecht aus. Entweder sie sind zu groß, oder dann viel zu klein. Einav hat bald genug, von der Straßenverhältnissen und Uganda im allgemeinen und fährt mich einem Boda Boda zurück. Wir laufen noch ein bisschen weiter, haben aber kein Glück. Schließlich suchen auch wir uns zwei Boda Bodas und fahren zurück. Die Fert kostet uns zu zweit gerade einmal 3000 Ush (das ist ca. 1 Euro).

Zuhause, esse ich erst einmal zu Abend und unterhalte mich mit … Timothy? Danach lasse ich mich von Richard über meinen Gauben, meine Arbeit, das Leben in Deutschland und so weiter ausfragen. Als er erfährt, dass ich nicht an Jesus glaube, setzt er sich zum Ziel, dass ich an Jesus glauben werde, wenn ich Uganda verlasse. Während ich mich mit Richard unterhalte, geht Timothy ein bisschen mit Lucy nach draußen.
Schließlich kommt auch noch Patience, die Tochter, vorbei und ich beschließe, dass das ein guter Zeitpunkt für die Gastgeschenke ist. Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich über alles so richtig freuen, aber die Marmelade kommt auf jeden Fall gut an :) und über die Geste im allgemeinen haben sie sich glaube ich schon gefreut.
Schließlich beschließe ich ins Bett zu gehen. Ich räume meine Koffer aus und richte mich ein bisschen in meinem Zimmer ein, dann gehe ich schlafen.






Mittwoch, 29. August 2018

Mit der Hand waschen

Nachdem ich es hier einfach nicht schaffe, meine Klamotten sauber zuhalten, ist heute Waschen angesagt. Jesse ist so nett und zeigt mir, wie es geht und nimmt mir dabei auch einen Teil der Arbeit ab :)
Als erstes kommen alle Klamotten in eine große Runde Schüssel mit Wasser, dann nehme ich ein Kleidungsstück in die Hand und seife es ein, dabei reibe ich den Stoff gegen einander. Als ich mit dem ersten Kleidungsstück fertig bin, drücke ich es aus und lege es in eine Schüssel mit sauberem Wasser. Das geht so weiter, bis wir mit allen Kleidungsstücken durch sind. Dann waschen wir die Kleidungstücke aus, drücken sie aus und legen sie erneut in eine Schüssel mit sauberem Wasser. Hier werden sie noch ein letztes Mal ausgewaschen und ausgewrungen, dann hänge ich sie auf die Leine. 
Lucy ist inzwischen nur schwer davon abzubringen, dass Wasser zu trinken. Als ich ihr das Waschwasser verbiete, versucht sie es mit dem schlammigen Wasser auf dem Boden.
Schließlich hole ich ihre Wasserschüssel, die sie dann auch fast leer trinkt.
Als ich die Wäsche gerade auf die Leine hänge kommt Trina vorbei und fragt, wie es meinen Händen geht. Sie erzählt mir, dass meine Gastmutter schon nach mir gefragt hat. Morgen werde ich wohl tatsächlich umsiedeln.
Etwas später gehen Comfort und ich Fleisch für das Abendessen kaufen. Als wir wieder kommen, liegt der größte Teil meiner Wäsche auf dem Boden, weil es inzwischen ziemlich windig geworden ist. Wenig später beginnt es zu donnern und der Regen lässt auch nicht lange auf sich warten. Lucy ist das alles überhaupt nicht geheuer und sie verkriecht unter dem Bett. Dafür leistet Lubas mir auf der Veranda vor dem Haus Gesellschaft. Ich denke, ich werde sie echt vermisse. Sie liebt es an der Schnauze gestreichelt zu werden, ein bisschen erinnert sie mich manchmal an Dingo.
Den Abend verbringe ich damit, meine Koffer zu packen. Ich beschließe Trina und Comfort etwas von den Gastgeschenken da zu lassen, weil sich vor allem Comfort sich so nett um mich gekümmert hat.
Ich bin wirklich gespannt auf meine Gastfamilie. Soweit ich das verstanden habe, wir eigentlich nur die Mutter, Emily zu Hause sein. Ich hoffe, ich komme gut mit allen aus.

Wenn ich dann in Kampala bin, muss ich dringend auch noch ein paar Klamotten kaufen, vor allem Hosen. Auf jeden Fall freue ich mich schon sehr auf meine Jeans, auch wenn die nicht so gut zu waschen sind. Irgendwie fühle ich mich damit einfach am wohlsten. 


Dienstag, 28. August 2018

Einfach ein Tag in Uganda

Der Regen von gestern hat sich verzogen, heute scheint die Sonne. Lucy ist auch nicht mehr so ängstlich, dafür hat sie um 7 Uhr genug geschlafen und möchte nach Comfort sehen. Ich versuche sie zu überreden, wenigstens noch ein bisschen Ruhe zugeben, aber um 8 Uhr ist dann endgültig Schluss.
Ich bin einigermaßen schlecht gelaunt, weil ich wirres Zeug geträumt und schlecht geschlafen habe. Ich sitze noch ziemlich müde im Bett und versuche Lucy zu bändigen, als die Kinder hereinkommen. Zum Glück scheucht Comfrot sie wieder hinaus und sagt ihnen, dass sie warten sollen, bis ich nach draußen komme.
Ich gehe erstmal duschen. Das kalte Wasser weckt mich ein bisschen auf und meine Laune bessert sich ein wenig. Ich binde Lucy draußen an und mache mir, von jämmerlichem Fiepen begleitet, mein Frühstück fertig, das heute aus Rührei, Brot und afrikanischem Tee besteht. Nachdem Lucy keine Ruhe gibt setze ich mich zum Essen nach draußen.
Afrikanischer Tee ist übrigens schwarzer Tee mit einer Menge Zucker. Comfrot und ihre Geschwister geben normalerweise zwei bis drei Esslöffel Zucker in die Tasse, bevor sie den Teebeutel mit heißem Wasser aufgießen. Normalerweise bleibt der Teebeutel gerade lange genug drin, dass sich das Wasser verfärben kann, kommt darauf an wie strak man es mag. Meistens benutzt man den Beutel wenigsten noch ein zweites Mal.
Es gäbe auch Kaffee, aber das hieße Instant-Nescafé und den Tee mag ich mittlerweile richtig gerne, auch wenn ich nur einen halben Esslöffel Zucker hinein gebe. 
Den Morgen verbringe ich damit, die Knöpfe an die Taschen anzunähen, die ich zu Hause noch gefilzt habe. Die Kinder hüpfen währenddessen um mich herum und spielen mit Lucy.
Gegen Mittag kommt Shairoah (das Hausmädchen) vorbei und unterhält sich ein bisschen mit mir, etwas später kommt auch Kirabo (eine von Comforts Schwestern) und erzählt mir von einer App namens Anki mit der ich Luganda lernen könnte. Nachdem die App leider ca. 30€ kostet, muss ich mir das noch überlegen.
Zum Mittagessen gibt es heute Pocho mit einer grünen Soße (Erbsen oder Bohnen) und wir essen zusammen vor Comforts Haus. Lucy bekommt auch etwas, aber von dem Pocho ist sie nicht begeistert. Kirabo holt ihr extra etwas nur von der Soße, die sie lieber zu mögen scheint und Lucy lässt sich herab ein wenig davon zu essen, aber auch erst, als ich es ihr aus der Hand füttere…
So langsam fange ich an zu realisieren, dass ich ein ganzes Jahr lang in Uganda sein werde und was ich in dieser Zeit alles nicht tun werde. Es ist schon ein bisschen komisch. Ich bin mal gespannt, was ich am meisten vermissen werde.

Montag, 27. August 2018

Ein verregneter Morgen

Ich wache davon auf, dass es sich anhört, als würde ein reißender Fluss direkt an unserem Haus vorbei fließen. Es regnet und zwar nicht nur ein bisschen. Lucy ist schon seit 7 Uhr ziemlich unruhig und findet ich habe genug geschlafen. Als ich endlich auf stehe und mit ihr rausgehe, regnet es nur ein bisschen. Allein will sie nicht, aber als ich mir Schuhe hole hüpft sie sofort los. Als sie jedoch merkt, dass es regnet überlegt sie es sich schnell anders und flüchtet nach drinnen. Jetzt liegt sie wieder auf dem Bett und findet es ganz gemütlich…


Zum Frühstück gibt es heute Matoke und Porridge. Matoke schmeckt eigentlich gar nicht schlecht, es kommt sehr darauf an, wie es zu breitet wird. Aber ich fürchte Porridge wird das erste Essen, das ich nicht mag. Als ich mehr davon esse, bzw. trinke, wird es zwar ein bisschen besser, aber mein Lieblingsessen wird das wohl eher nicht.
Lucy ist den ganzen Morgen über schon ziemlich ängstlich und fürchtet sich vor jedem Geräusch. Als Comfort kommt wird es besser. Lucy freut sich sehr sie zu sehen und rollt sich neben ihr auf der Matratze zusammen. Ich glaube inzwischen hat sie hier so eine Art neues Rudel gefunden und es taugt ihr überhaupt nicht, wenn jemand fehlt.
Nach dem Frühstück kommen Catherine (Comforts kleine Schwester) und Moah (ein Nachbarskind). Sie beide echt lieb, aber sie können ziemlich anstrengend und wild sein. Sie klettern au mir herum und hüpfen solange vor Lucy auf und ab, bis sie ausflippt und mitspielen will. Das ist den beiden aber dann nicht so geheuer …
Den Rest des Tages verbringe ich mehr oder weniger mit Lesen, was auch mal wieder ganz schön ist. Irgendwie brauche ich einfach mal eine Pause davon, die ganze Zeit von Menschen umgeben zusein.


Sonntag, 26. August 2018

Mein erster Gottesdienst in Uganda

Heute ist Sonntag und das heißt in Uganda Kirche, zumindest für die meisten Christen. Anscheinend geht der Gottesdienst normalerweise von 10 bis 13 Uhr. Die ganze Familie zieht sich schick an, viele der Männer sogar im Anzug und die meisten Frauen tragen Kleider und hohe Schuhe. Auch die Kinder sind sehr schick angezogen. Trina fragt mich, ob ich Lucy mitnehmen möchte, aber ich entscheide mich, sie da zulassen.
Zu neunt fahren wir mit dem Auto zur zur „Central Freedom, auf dem Weg müssen wir eine riesige Baustelle passieren, ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass man da durch fahren kann. Ich wundere mich überhaupt, dass wir mit dem riesigen Auto durch diese Straßen passen, außerdem ist es ziemlich huggelig.
Von außen wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass das die Kirche ist, aber hören kann man es. Es ist einfach ein große, weiße Mischung zwischen Raum und Halle. Vorne ist eine Art Podest, auf der eine Band und mehrere Sänger stehen und singen und tanzen. Comfort erklärt mir, dass der Gottesdienst noch nicht angefangen hat und sie damit die Leute in die Kirche rufen.
Schließlich beginnt der Gottesdienst mit noch mehr Liedern und alle singen und tanzen mit und ich meine richtig tanzen. Die Leute in dieser Kirch singen die Lieder nicht einfach nur mit, sie meinen wirklich was sie singen. Dann begrüßt der Priester, die Fremden in der Kirche und fordert sie auf nach vorne zu kommen. Zum Glück hat Comfort mich schon vorgewarnt, also gehe ich nach vorne und sage in das Mikro, dass ich Eva heiße, aus Deutschland komme und mit Trina hier bin. Alle applaudieren und ich weiß nicht, ob mich jetzt wieder setzen darf. Also bleibe ich stehen und warte bis auch die andere „Fremde“ sich vorgestellt hat, dann gehe ich zurück zu meinem Platz.
Nachdem noch ein Lied gesungen wurde, kommen verschieden Menschen nach vorne, die eine Geschichte erzählen und Gott für etwas danken möchten.
Dann kommt eine Frau und fängt an zu predigen. Sie sagt, sie möchte uns heute das beten beibringen. Zuerst liest sie eine Stelle aus der Bibel und soweit ich das verstehe geht es darum, dass wir beten sollen, damit Gott uns hilft und erlöst.
Der Gottesdienst ist in Luganda und Englisch gemischt und es gibt einen Übersetzer, der immer in die jeweils andere Sprache übersetzt. Es ist ohnehin schon ziemlich anstrengend zu zuhören, weil man sehr aufpassen muss, wer gerade Englisch spricht und das Englisch teilweise etwas gebrochen ist.
Wirklich anstrengend ist aber die Lautstärke. Schon während des Singens habe ich das Gefühl, danach schlechter zu hören und ich muss mich anstrengen Comfort zu verstehen, die mir erklärt worum es in den Lieder geht. Die Predigt kann ich dann fast nicht mehr aushalten. Die Frau spricht so laut in das Mikro, dass sich der Ton beinahe überschlägt und für mich ist es beinahe unmöglich noch etwas zu verstehen. Comfort sagt, dass sie zum Beten nicht bleiben wird und ich bin wirklich froh darüber. Es ist ziemlich warm in der Kirche, ich habe Hunger und bin von der Lautstärke, ziemlich fertig. Im Moment will ich einfach nur noch raus, auch Comfort schaut immer wieder auf die Uhr, nach der der Gottesdienst eigentlich schon um sein sollte, denn es geht bereits auf halb zwei zu und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass sie mit ihrer Predigt bald fertig ist. Endlich geht sie zum beten über und wir verlassen die Kirche.
Comfort ist auch ziemlich hungrig und wir suche uns einen Stand mit Rolex. Es dauert eine Weile, aber als wir zurückkommen, wird in der Kirche noch immer gebetet.
Wir setzen uns ins Auto und essen unser Rolex. Schließlich kommen auch die anderen und wir quetschen uns diesmal zu elft in das Auto und fahren nach Hause.
Insgesamt, habe ich nach dieser Erfahrung keine große Lust mehr auf Gottesdienst, ich werde es aber trotzdem nocheinmal versuchen und vielleicht Ohrstöpsel mitnehmen. Wenn die Lautstärke nicht gewesen wäre, wäre es echt toll gewesen. Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich Lucy zu Hause gelassen habe.

Lucy freut sich sehr, dass wir wieder da und wir gehen ins Haus rüber, da heute die ganze Familie gemeinsam isst. 

Nach dem Essen rollen Lucy und ich uns auf das Bett, ich bin hundemüde.
Anschließend beschließe ich meine Koffer neu zu sortieren und meine Sachen ein bisschen zusammen zu packen, da wir morgen eigentlich nach Kampala zu meiner Gastfamilie fahren wollten. Allerdings ist das wohl noch nicht ganz sicher, weil meine Gastmutter morgen erst aus Ruanda wieder kommt und eventuell noch ein bisschen müde ist.
Lucy fände das glaube ich nicht so schlimm, ihr gefällt die ganze Packerei gar nicht.

Der Abend ist auf jeden Fall noch sehr gemütlich. Nachdem ich mein Zimmer wieder verlassen habe (ich habe völlig die Zeit vergessen und es ist schon dunkel), treffe ich Comfort, die noch kurz zum Supermarkt gehen will, um Eis zu kaufen, weil sie Halsschmerzen hat. Ich frage, ob ich mitkommen kann und wir gehen mit Mark und Catherine, Comforts kleinen Geschwistern, zu Supermarkt. Auf dem Weg treffen Jesse (ich glaube ein großer Bruder von Comfort?). Ich liebe es einfach in der Nacht unterwegs zu sein, überall sind verschieden Gerüche und das Leben ist einfach anders. Das Eis ist wirklich billig, ein kleiner Becher (ca. 1 Kugel, vielleicht ein bisschen mehr) kostet 1200 Ush, das sind umgerechnet nicht einmal 40 ct.
Wieder zu Hause sitzen wir gemütlich zusammen und löffeln unser Eis. Als wir fertig sind fordert Mark mich zum Armdrücken heraus. Ich gewinne gerade so, aber es ist wirklich knapp und ich muss mich ziemlich anstrengen (er ist neun!). Wir sitzen noch eine Weile zusammen und reden, als plötzlich das Licht ausgeht. Als der Strom wieder da ist, trage ich Catherine, die inzwischen fest eingeschlafen ist zum Haus, damit Comfort im Bett bleiben kann. 

Ich werde diese Abende und vor allem auch Comfort echt vermissen :)


PS: Falls ihr übrigens irgendwo Rechtschreibfehler findet, tut es mir leid und ich freue mich, wenn ihr sie mir mitteilt. Ich hoffe, es sind nicht zu viele :)